Die unendliche Leidensgeschichte eines Turbomesodon relegans

Vor etlichen Jahren machte ich mich an die Präparation eines Eichstätter „Gyronchus macropterus“ (heute: Turbomesodon elegans) von 7 cm Körperlänge.


Das Tierchen lag als Spaltfossil in einem sehr schweren, bröckeligen Fäulenblock. Wohlgemut ging ich an die Transferpräparation, bis sich ein exzellentes, nahezu perfektes Ergebnis zeigte, wobei ich schon immer im Hinterkopf die heikle Formation des Blockes hatte. Schließlich transportierte ich das große schwere Teil auf einem dicken Brett in meinen Steinbearbeitungsbetrieb, um es zu schneiden. Endlich lag das Teil unter der Säge. Was nun ?

Zuerst einen Schnitt an der Unterkante, um einen guten Stand zu haben und dann den riesigen, rückwärtigen Bereich trennen - natürlich mit Trockenschnitt, ohne Wasser.

Mein Vorhaben klappte auch ganz gut, obwohl die Werkshalle nach kurzer Zeit völlig mit Steinstaub "verschleiert" war. Ähnliche Objekte hatte ich schon mit wenig Wasser geschnitten, das aber durchaus ausreichte, z. B. die Schwanzflosse eines „Pholidophorus“ weg zu spülen (trotz Abklebung). Also war ich gewarnt - nur Trockenschnitt... und dann nahm das Drama seinen Lauf...

Beim Formatieren verhakte sich der Block, die Säge gab nur noch unwillige Geräusche von sich, stand plötzlich still und der Fisch wurde binnen Sekundenbruchteilen von Urgewalt auseinander gerissen und in Einzelteilen meterweit fort geschleudert.
Ein Super-Gau!!!

Auf der Säge lag nur mehr ein kümmerlicher Rest, der als Fisch kaum noch erkennbar war.

Unter der Arbeitsfläche dümpelten im alten Wasser ein paar Gräten o. ä., die Schwanzflosse und große Teile des Körpers waren im „Nirwana“ der Halle verschwunden.

Mir wurde plötzlich ganz heiß, und der Schweiß lief mir über das Gesicht. Wut und Verzweiflung (Schockzustand) hielten sich die Waage. Wie paralysiert, ging ich auf die Suche nach den Einzelteilen, die an allen möglichen und unmöglichen Stellen auf ihren Finder warteten. Irgendwann hatte ich in meiner Trance alle vermeintlichen Teile wieder auf dem Brett verteilt, bin mit einem absolut leeren Gefühl nach Hause gefahren und habe die Teile in meinem Präparationsraum gelagert. Die besagte Örtlichkeit habe ich zwei Tage nicht mehr aufgesucht, auch war mein persönliches Kommunikationsverhalten gegenüber meiner Umwelt eher von Einsilbigkeit geprägt. Am dritten Tag nach dem Desaster habe ich die unendlich vielen Einzelteile gereinigt (zwischenzeitlich musste ich noch einmal in die Firma fahren, da ein Zwischenstück fehlte; das war dann in der Abfallschubkarre deponiert), zusammengesetzt und in eine Platte eingesetzt. So weit, so gut ...

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Vor einigen Tagen allerdings schaute ich auf das Fischchen und fragte mich, warum ich es wohl damals eingesetzt hatte. Das „Inferno“ seinerzeit hatte ich wohl schon wieder verdrängt.

Also ´ran an’s Werk, nach dem Motto: „back to the roots“ - eine Originalmatrix ist in meinen Augen immer noch besser als eingesetzt.

Nur leider erwies sich die ganze Aktion als äußerst kompliziert. Das Abspalten der Deckplatte erbrachte katastrophale Ergebnisse: Der Fisch zerfiel nach und nach in immer mehr Einzelteile. Ein Acetonbad war von vornherein ausgeschlossen, da ich durch die immens vielen Klebestellen und deren Auflösung das Fossil wohl nicht mehr hätte retten können.

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Ach ja, die Kauleiste des Fisches ging auch noch „flöten“ - die habe ich erst nach etlichen “Herumrutschversuchen“ auf dem Boden meines Kellers gefunden. Schließlich konnte ich das Teil noch passgenau - fast wie ein Zahnarzt - wieder einsetzen.

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Nun ist das arg gebeutelte Teil wieder in seiner Originalmatrix zu sehen und ich finde, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

 

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Verwendete Geräte und Materialien:

"Die üblichen Verdächtigen", die da wären: Diamantsäge, Trennschleifer, Vibrograv, Hängemotor mit Diamanteinsätzen, Nadeln, Glasradierer, AKEMI juragelb, Sekundenkleber, Aceton, Stereomikroskop (20-fach), Kaltlichtleuchte, usw.

Präparationszeit:
Viel zu lange – leider...


Sammlung und Fotos: F. Starke