Präparation eines kleinen Besenfisches der Gattung Solnhofenamia elongatus

Vor längerer Zeit saß ich ganz entspannt im Wohnzimmer und blätterte einen Bildband über Fossilien der Green River Formation aus Wyoming durch. Dabei bewunderte ich die Abbildung eines großen Knochenhechtes (Lepisosteus) , dessen Schwanzflosse mich faszinierte. Unwillkürlich glitt mein Blick zu meinen an der Wand befestigten, durch Scheinwerfer erleuchteten Fossilien aus dem Plattenkalk und blieb an zwei Platten hängen, die ich irgendwie mit dieser Schwanzflosse in Verbindung brachte. Es handelte sich um einen Besenfisch der Gattung Solnhofenamia elongatus (früher: „Urocles elegantissimus“).
Bei den beiden Platten ging es um ein Spaltfossil aus Eichstätt, das schon seit etlichen
Jahren seinen Platz an dieser Stelle für sich beanspruchte.

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Nun ja, das Fossil war in typischer Manier aufgespalten: Der Schädel und ein Teil des Vorderkörpers lagen weitgehend als Positiv vor, während die Flossen und der hintere Teil des Körpers (mit Fehlstellen von Elementen, die bereits während der Bergung verloren gegangen waren) überwiegend auf der Gegenplatte lagerten.

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Die fehlenden Konturen (sprich: „Flossen“) hatte ich aus optischen Gründen per Hand in die Positivplatte „eingefräst“. Irgendwie war das für mich aber unbefriedigend und so entschloss ich mich – sehr zögerlich – das Fossil zu übertragen und durchzupräparieren.
Dabei muss man wissen, dass die Übertragung eines „Besenfisches“ dieser Größe unter Umständen sehr heikel werden kann, da die „fleischige“ Konsistenz eher mehlig und schwierig zu präparieren ist.

„Packen wir es an!“, dachte ich mir, wobei ich doch mit recht gemischten Gefühlen an dieses Vorhaben ging.

Dabei erwies sich die Wahl des Klebers (ein langsam aushärtendes, dünnflüssiges, geruchloses Epoxidharz 300) als völlig falsch. Trotz der Isolierung der Rand- und Flossenbereiche mit Vaseline ist das Zeug doch in Regionen vorgedrungen, wo es gar nicht hin sollte. Die Entfernung der Rückstände war sehr aufwändig – trotz Einsatz von Salz-, Ameisen- und Essigsäure. Letztendlich blieb nur die mechanische Bearbeitung.
Leider besitze ich kein Strahlgerät, so dass nur Nadel und Schaber zum Einsatz kamen.
Ich weiß heute nicht mehr, welcher Teufel mich da geritten hat – beim nächsten Mal werde ich sicherlich wieder auf das gute alte, dünnflüssige AKEMI Marmorkitt 1000 Transparent zurückgreifen, dessen Rückstände sich problemlos mit Aceton entfernen lassen.

Die Antwort auf die wichtige Frage, welche Seite zu übertragen sei, ergab sich durch den Fundzustand von selbst. In meinem Steinbearbeitungsbetrieb wurde die Positivplatte von mir ausgeschnitten.


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Das Aussägen erfolgte als Trockenschnitt, da mir einmal bei einem Pholidophorus während des Schneidens dessen Schwanzflosse – trotz Abklebung – förmlich weggeschwemmt wurde.

Anschließend wurde das Positivteil auf die Gegenplatte aufgeklebt – unter Aussparung der Flossen natürlich. Vorher hatte ich die Randbereiche, die nicht mit dem dünnflüssigen Kleber in Berührung kommen sollten - wie oben bereits erwähnt - gründlich mit Vaseline isoliert. Dieses Vorhaben schlug weitgehend fehl – leider.
Als nächstes begann ich vorsichtig damit, den Schädel mit Vibrograv, Nadeln, Schabern, Glasradierer etc. freizulegen. Das klappte auch relativ problemlos.

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Kritisch wurde es erst, als ich auf das „Fleisch“ stieß. Dessen mehlige Substanz wollte sich so gar nicht mit dem verwendeten Epoxidkleber anfreunden. Die beiden Komponenten gingen – im wahrsten Sinne des Wortes – keine von mir erhoffte „andauernde innige Verbindung“ ein.
So blieb es nicht aus, dass ich immer ’mal wieder durchstach.

Letztendlich wurde es an manchen Stellen zu einem viel Geduld erfordernden Vabanquespiel, dessen Ergebnis man nicht genau vorhersehen konnte.
Besonders unangenehm und lästig wurde das eingangs erwähnte Entfernen der Kleberückstände,
das sich partout nicht auf chemischem Wege bewerkstelligen ließ.
Insgesamt bereue ich meine Entscheidung nicht, den Fisch einfach (?) durchzupräparieren. Was mich etwas stört, ist die Tatsache, dass das Fossil seine schöne helle Fleischfarbe verloren hat.

Na ja, man kann eben nicht alles haben.


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Solnhofenamia elongatus, Länge: 13 cm, Eichstätt


Verwendete Geräte und Materialien:
Stereomikroskop, Kaltlichtleuchte, Steinsäge, Vibrograv, Nadeln, Schaber, Glasradierer,
Epoxidharz, Sekundenkleber, Salzsäure, Ameisensäure, Essigsäure ... .

Arbeitszeit: ca. 53 Stunden