Präparation eines Plesioteuthis prisca mit Weichteilerhaltung

Vor etwa eineinhalb Jahren war ich mit einem Freund im Besuchersteinbruch „Blumenberg“ bei Eichstätt verabredet, um – altersgemäß ganz moderat und entspannt – etwas zu graben.

In meiner Begleitung befand sich meine dreißigjährige Tochter Svenja mit ihrem Freund Gero. Die ca. 500 Kilometer lange Anreise wurde dank Svenjas Wunsch in einem gemütlichen Landgasthof im „Fränkischen“ unterbrochen, da meine Tochter Hunger hatte.

„OK., das Kind soll ja nicht leiden“, dachte ich in väterlicher Fürsorge, obwohl ich nicht gewohnt war, bei meinen unzähligen Anreisen ins Revier, irgendwo einzukehren.

Das Essen war gutbürgerlich und lecker – zu sehr zivilen Preisen.

Ein verstohlener Blick auf meine Uhr ließ mich die Zeit abschätzen, die uns noch zum Graben bleiben würde. Ich gab mich äußerlich ganz entspannt (trotz innerer Anspannung, natürlich) und war froh, als meine Lieben sich gesättigt und zufrieden von ihren Sitzen erhoben und wir endlich weiterfahren konnten.

Der einsetzende Verdauungsprozess ließ mich dann doch etwas ermüden, so dass ich der Aussicht auf eine Grabung im Bruch eher mit gemischten Gefühlen entgegensah.

 

Im Gelände

Endlich angekommen, traf ich auf meinen Kumpel, der schon emsig bei der Arbeit war – mich überkam beim Anblick der Verhältnisse eine lähmende Müdigkeit.

Nach einer herzlichen Begrüßung fummelte ich lustlos mit der Brechstange an einem „Stock“ herum, nachdem ich etwas Schutt weggeschaufelt hatte. Dann hob ich einige Schichten – sozusagen mundgerecht – ab und meinte gnädig zu Gero: „So, jetzt kannst Du die Platten spalten; was Du findest, gehört Dir.“ Ich dachte mir halt, dass ein gewisser Ansporn aus pädagogischen Gründen nicht schaden und es einen Motivationsschub für künftige Aktivitäten geben könnte. Beim mehrmaligen Spalten kam das Hinterteil eines recht großen Tintenfisches der Art Plesioteuthis prisca zum Vorschein. Mein erster Gedanke war: “Klasse, der junge Mann ist bestimmt nicht das letzte Mal zum Graben mitgekommen."

"Nun kannst Du auch das Anschlussstück herausholen, Gero“, ermunterte ich ihn und drückte ihm die Brechstange in die Hand. Seine etwas hilflose Geste und die Aufforderung meines Freundes: „Mensch, Alter, mach das Teil doch für ihn ´raus!“, ließen meinen Widerwillen  schnell erlahmen, und so förderte ich ziemlich viel Bruch zu Tage. 

Meine Tochter verlustierte sich derweil in einem Campingstuhl, genoss das schöne Wetter und sah uns mehr oder weniger interessiert bei der Arbeit zu.

 

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Abb. 1: Dieses Bild bot sich nach der Bergung und vor der Präparation des Plesioteuthis.

 

Eine Präparation voller positiver Überraschungen

Etliche Monate lag der „Tintler“ dann bei mir im Keller, obwohl ich versprochen hatte, die Präparation zu übernehmen. Beim Anblick der „Baustelle“ sank meine Motivation jedes Mal rapide auf den Nullpunkt – ich hatte einfach keine Lust dazu. Irgendwann habe ich meine Abneigung dann doch überwunden – versprochen ist versprochen – und mit der kniffligen Präparation begonnen. Nachdem ich etliche Teile mit AKEMI-Steinkleber zusammengefügt und die Gegenplatte mit dem vermuteten Kopfbereich komplett auf das Positiv aufgeklebt hatte, begann ich vorsichtig, mit Vibrograv und Nadeln das Fossil freizulegen.

Mein Erstaunen war groß, als ich den Kopfbereich mit etlichen kalzitischen Tentakeln herauspräparieren konnte.

Welch ein Glücksfall! Als ich dann auch noch Teile der Gegenplatte mit einem hauchdünnen, scharfen Meißel abspaltete und plötzlich die sternförmige Aufsetzmarke vor mir liegen sah, bekam ich eine Gänsehaut.

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Abb. 2: Die sternförmige Aufsetzmarke des Tintenfisches.

 

Ein Tintenfisch der Art Plesioteuthis prisca gehört sicherlich nicht zu den Seltenheiten im Plattenkalk, aber in dieser Erhaltung ist er schon etwas Besonderes. Einige Teile, die bei der Bergung verloren gegangen sind,  mussten ergänzt und restauriert werden. Anschließend wurde die Platte mit einem Trennschleifer formatiert.

 

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Abb. 3:

 

 

Das Präparationsergebnis zeigt einen 36 cm großen Tintenfisch Plesioteuthis prisca mit Weichteilerhaltung (Kopf, Tentakel, sternförmige Aufsetzmarke und hervorragend erhaltene Muskelummantelung.

 

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Abb. 4

 

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Abb. 5

 

Ich vermute, dass die Terminalflossen auch noch vorhanden sind – zu deren Freilegung fehlt mir aber momentan der Nerv.

Wer hätte das gedacht? Ich habe leider wenige Bilder von den einzelnen Präparationsschritten gemacht, da ich nie und nimmer mit so einem Ergebnis gerechnet hätte.

Übrigens hat Gero mir das Fossil für meine Sammlung überlassen – im Tausch gegen einen

präparierten „Eryon“ mit Laufspur.

 

 

 

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Abb. 6

 

Plesioteuthis prisca (Rueppel, 1829)

Fundort: Blumenberg

Länge: 36 cm

Präparationszeit: ca. 52 Stunden

Sammlung: Falk Starke, Bodenwerder

Verwendete Geräte: Trennschleifer, Vibrograv, Hängemotor mit Diamanteinsätzen, Präpariernadeln, Glasradierer, AKEMI – Steinkitt, Sekundenkleber, Aceton, Binokular, Kaltlichtleuchte