Präparation eines Wasserläufers der Art Chresmoda obscura

Ein guter Bekannter aus dem "Revier" bot mir vor einiger Zeit einen unpräparierten Wasserläufer (Altfund)  aus dem Plattenkalk mit der Bemerkung an: „Das wird ein Topstück, farbig, mit angelegtem Flügel.“ „Klingt interessant“, dachte ich mir, zumal ich seit vielen Jahren nach einem qualitativ hochwertigen Insekt dieser Gattung suchte.

Dabei hielt mir der gute Mann im funzeligen Licht einer Straßenlaterne eine ungebrochene Flinzplatte unter die Nase, die schwache Konturen eines Insekts offenbarte.

Gewarnt durch langjährige Erfahrung, hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen, zumal mir mein Freund zuraunte: „Mensch, der ist aber mickrig!“

Auf meine Frage, warum er das Teil nicht selber präparieren würde, murmelte mein Bekannter etwas von nachlassender Sehkraft und Zeitmangel. Okay, das mit der nachlassenden Sehkraft („Altersblindheit“) konnte ich gut nachvollziehen, da ich auch zunehmend davon betroffen bin.

Trotzdem wuchs meine Skepsis sprunghaft an, zumal meine Sichtweise auf das gute Stück durch etliche, vorher genossene Bierchen in gemütlicher Runde schon sehr eingeschränkt war und  das vermeintlich gute Stück von mir mehr oder weniger verschwommen wahrgenommen wurde. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass nach der Bemerkung meines Freundes das Tierchen bei längerer Betrachtung immer „mickriger“ wurde. Naja...

Einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte ich: „Okay, ich nehme das Stück mal mit und schaue ´rein.“

Unterwegs gab unser Wagen in Northeim leider seinen Geist auf und wir mussten in eine Werkstatt abgeschleppt werden. Das Auto war reparaturbedürftig (das würde dauern); einen Leihwagen konnten wir nach einigem Hin und Her in Göttingen organisieren, der uns schließlich nach Bodenwerder brachte. In der Zwischenzeit hütete ich meine Platte wie einen „Gral“ und schleppte sie an alle möglichen und unmöglichen Orte mit...

Zu Hause angekommen, sah ich dann unter Streiflicht, dass sich der Wasserläufer doch als

ein ordentliches Exemplar erweisen könnte. 

 

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Die Präparation des Körpers mit Vibrograv und Nadeln verlief anfangs ohne Probleme – die Substanz war tatsächlich „farbig“. Die Ansätze der Beine auf der rechten Seite konnte ich auch noch freilegen; bei der linken Seite war für mich bald das „Ende der Fahnenstange“ erreicht. Ich war einfach mit meinem „Latein am Ende“ – die zwanzigfache Vergrößerung meines Binokulars reichte  nicht mehr aus, um eine möglichst fehlerfreie Präparation zu gewährleisten. Was nun? Glücklicherweise kenne ich seit Jahrzehnten einen befreundeten Sammler und hervorragenden Präparator, der diese Aufgabe für mich übernommen hat. Das ist übrigens das erste Mal, dass ich Hilfe in dieser Hinsicht in Anspruch genommen habe – man muss auch manchmal seine Grenzen erkennen. Vorher hatte ich noch die vermeintlichen Konturen der Beine nachgezogen, die sich dann auch als stimmig erwiesen.

 

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Die Grobpräparation wurde von meinem Bekannten hervorragend ausgeführt; das „Finishing“ mit Glätten der Kanten war dann eher „Routine“ für mich. Insgesamt - denke ich - ist das Ergebnis anschauenswert und sehr zufriedenstellend.

 

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Chresmoda obscura, Eichstätt, 17 cm

 

Verwendete Geräte: 

Vibrograv, Präpariernadeln, Luftdruckstichel HW, Binokular ( zwanzigfach / fünfzigfach ), Kaltlichtleuchte, Sekundenkleber, Aceton,  Hängemotor, Diamanteinsätze etc.

 

Sammlung und Bericht: Falk Starke, Bodenwerder