Präparation eines 36 cm großen, unbekannten Caturiden aus Eichstätt

Die Präparation dieses Fisches aus dem Solnhofener Plattenkalk wurde mit antiquierten Geräten wie Vibrograv, Hängemotor, Korrund- und Diamanteinsätzen, Nadeln, Schabern, Bürsten, Glasradierer, Sekundenkleber etc. unter dem Binokular (20 x) durchgeführt. Das Unangenehme an der Sache war der Zustand der Geräte: stumpf, abgenutzt, verzogen, ausgeschlagen.... – der jahrzehntelange Gebrauch hat zwangsläufig massive Abnutzungssspuren hinterlassen. Dabei tue ich mich bei Neuanschaffungen auf diesem Gebiet echt schwer – die Preise sprechen ja für sich ...
Unter dem „Binokular“ konnte ich teilweise nur doppelt sehen - trotz teurer Justierung bei Phywe, Göttingen. Vor einigen Jahren war mir das Gerät unglücklicherweise durch eine dumme Bewegung einmal vom Arbeitstisch gefallen. Seitdem „fischte ich bei der Präparation häufig im Trüben“.  Inzwischen habe ich von einem Freund das gleiche Modell gebraucht (neuwertig) zu einem moderaten Preis übernommen, so dass eine einigermaßen sachgerechte Präparation gewährleistet ist.

Zur Verdeutlichung möchte ich ein paar Arbeitsschritte im Einzelnen darstellen:

Die Platte habe ich erst einmal auf ein handliches Maß geschnitten und am unteren linken Rand ein Stück angesetzt. Das Fossil war vollkommen zu, so dass sich die Freilegung als spannend erwies.

1.JPG

Das Problem dabei war, dass beim Schneiden teilweise die Ränder wegbröckelten. Ich also wieder hin in meine Steinbearbeitungsfirma und mit der kleinen Säge (die war vorher defekt) das Teil zurechtgeschnitten. Die Ränder bröckelten wieder ab, also habe ich die Platte mit dem Schleifer (Feinkörnung) im 45 Grad - Winkel angeschliffen.

Als nächstes habe ich die stark bezahnten Kiefer des Fisches freigelegt (Vibrograv und Nadeln). 

2.JPG

Das war recht aufwändig, da das Teil ca. 11 mm in der Platte lag. Irgendwann wurde mir die Sache zu langwierig, und ich habe mit einem Trennschleifer die oberste Schicht abgeschliffen. 

3.jpg

Daher auch der relativ breite Graben um das Fossil, den ich eigentlich nicht mag und der für meine Präparation eher untypisch ist. So nach und nach habe ich den Fisch dann präpariert, was wegen der teilweise kristallinen bzw. calzitierten Erhaltung nicht einfach war.

4.jpg

5.jpg

Das Unangenehmste war die Glättung der Ränder, da jedes Mal zwischen den Schichtflächen regelrechte „Dolinen“ wegbrachen. Äußerst unansehnlich! Also wieder mit „Akemi“ zuschmieren und ‚runterschleifen. Die stumpfen und abgenutzten Werkzeuge trugen dabei nicht gerade zu meiner Erheiterung bei. Zwischenzeitlich wollte ich das Stück einfach abspalten; dabei wären allerdings die Flossen auseinandergerissen worden. Man hätte um die Flossen natürlich auch einen Graben ziehen und dann herunterspalten können.. Aber ich dachte mir: „Jetzt hast Du schon so tief da „rumgemacht“ – beim Spalten wäre ja dann die Vorarbeit eigentlich vergebliche Mühe gewesen. Also, dann doch lieber die Risse wieder zuschmieren. Links und rechts neben der Pectoralis habe ich mit einem Diamantbohrer ca. 10 mm tiefe Löcher gebohrt (ganz niedrige Drehzahl und unter dem „Bino“), um eventuell die zweite Brustflosse zu erwischen. Leider vergebliche Mühe, also wieder zuschmieren. Zum Schluss habe ich dann den ganzen Fischkörper noch vorsichtig mit einem Glasradierer abgerieben (unter zehnfacher Vergrößerung), um die letzten Staubreste zu entfernen. 

6_klein.jpg


7_klein.jpg

8_klein.jpg


Trotzdem machte die Präparation – ungeachtet der angedeuteten Unwägbarkeiten - einen unheimlichen Spaß. Gerade die ungewöhnlich starke Bezahnung dieses Fisches ließ die Freilegung zu einem Genuss werden- Das war wirklich „Freude pur“ – zumal man während der Arbeit nicht genau weiß, was am Ende herauskommt.

Anfänglich hielt ich den Fisch für einen „Amblysemius“, der gesamte Habitus und die Caudalis sprechen allerdings dagegen.

So bleibt – wie so oft bei diesen Tierchen – die unbefriedigende Bezeichnung: „Unbestimmter Caturide“.


Zum Schluss noch einmal die wichtigsten Eckdaten:

Unbestimmter Caturide, Eichstätt, 36 cm.

Verwendete Geräte und Materialien:
Vibrograv, Hängemotor mit Diamant- und Korrundeinsätzen, AKEMI-Kleber, Sekundenkleber, Steinsäge, Trennschleifer, Binokular mit „verschwommener Optik“, Nadeln, Schaber, Glasradierer ...

Präparationszeit:  ca. 60 Stunden

Sammlung und Fotos: Falk Starke