Präparation eines Aspidorhynchus acutirostris

Vor ca. 20 Jahren hat mir ein befreundeter Sammler sechs Obstkisten mit etlichen Plattenkalkbruchstücken für wenig Geld überlassen. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass in den diversen Querbrüchen „fossilhaltige Substanz“ zu sehen war.
An einigen Stellen waren Schuppenteile sichtbar, die evtl. auf einen „Schmelzschupper“, vermutlich einen Schnabelfisch, deuten könnten.

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Über Vollständigkeit und Größe konnte man nur vage Spekulationen anstellen. Der geringe „Obulus“ für diese Kisten voller Bruchstücke ist dadurch zu erklären, dass ein „normaler“ Sammler sicherlich bei der zu erwartenden, schwierigen Präparation einfach überfordert wäre. Auf der anderen Seite wären die Teile für einen Händler ebenso uninteressant, da die Präparationskosten wohl in keinem Verhältnis zu dem Endpreis gestanden hätten.

Nach einem endlosen Puzzelspiel musste ich feststellen, dass die meisten Teile – trotz Fehlstellen – irgendwie zusammenpassten.
Also habe ich versucht, alles auf eine Ebene zu spalten oder in meinem Steinbearbeitungsbetrieb abzuschleifen. Dazu muss man bemerken, dass ich alle Geräte dort unentgeltlich benutzen darf (nachdem ich dem Seniorchef einmal für seinen Neffen ein Fossil überlassen habe).
Seitdem schneide, säge, schleife ich ... – nur mit absoluten „Profi-Geräten“. Die Ausnahme bildet eine riesige Säge mit drehbarem Tisch und lasergesteuerter Optik, die nur durch diverse Knöpfe bedient werden kann ... . – da traue ich mich nicht ´ran.
Das machen dann die etlichen „alten“ Bekannten in diesem Betrieb für mich, die ich schon seit Jahrzehnten kenne.

Nach wochenlanger Arbeit konnte ich die Teile schließlich zusammenkleben – mit „AKEMI L“ und „AKEMI Transparent“ und durchpräparieren.
Natürlich gab es immer noch Fehlstellen.

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Leider konnte ich die Schwanzflosse in dem ganzen „Trümmerhaufen“ nicht finden. Bei einem nochmaligen Besuch des ursprünglichen Besitzers fand sich dann tatsächlich eine Plastiktüte mit etlichen Bruchstücken der Schwanzflosse, die ich dann auch kunstgerecht wieder zusammenfügen konnte.

Anschließend habe ich in meinem Betrieb die überstehenden Plattenkalkränder abgesägt, bzw. eingeschliffen. So präsentierte sich schon ein recht ansehnlicher Schnabelfisch von 80 cm.

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Nachdem ich die unzähligen Bruch- und Klebestellen mit „Schnabelfischmaterial“ restauriert hatte, musste ich mir überlegen, was ich nun mit dem „Fischkörper“ weiter anfangen sollte.

Da gab es für mich nur eine Entscheidung: „Du musst das Teil einsetzen“. Also begab ich mich in den Besuchersteinbruch „Blumenberg“, um zwei entsprechend große Platten (mindestens 110 cm x 80 cm) mit passender Mächtigkeit (mindestens 1,5 cm) zu bergen. Dieses Vorhaben erwies sich nach relativ kurzer Zeit als völlig illusorisch. Da blieb mir nur noch einer der Steinbruchbetriebe vor Ort. Bei der Firma „Schöpfel“ konnte ich problemlos zwei entsprechende Platten erwerben, für die ich allerdings 70 DM zahlen musste.

Zu Hause angekommen, fertigte ich mittels Pergamentpapier eine Schablone des Fossils an, übertrug sie auf eine der Platten und sägte den Umriss mit dem Trennschleifer aus. Nun klebte ich das – auf der Rückseite – plan geschliffene Fossil mittels Steinkleber „mittig“ auf die Trägerplatte auf. Die Zwischenräume – sowohl an den Rändern, auch zwischen den beiden Platten – wurden durch genau abgemessene, ausgesägte Steinstreifen aufgefüllt, mit Steinkitt bestrichen und aufwändig abgeschliffen. Zum Schluss wurden die überstehenden Teile durch die lasergesteuerte Säge entfernt und die Kanten mit einem feinkörnigen Schleifer geglättet.

So präsentiert sich ein großer Schnabelfisch „Aspidorhynchus acutirostris“ von 80 cm Länge, dessen Qualität schon bemerkenswert ist.

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Aspidorhynchus acutirostris, Eichstätt, Länge: 80 cm.


Verwendete Geräte und Materialien:

Vibrograv, Nadeln, Diamant- und Korrundeinsätze (Hängemotor) Stereomikroskop, Steinkleber verschiedener Sorten, Sekundenkleber, diverse Schleifgeräte, zwei professionelle Diamantsägen etc.

Arbeitszeit: ca. 6 Monate bei (fast) täglichem, mehrstündigen Einsatz – die Gesamtsumme der Einzelstunden liegt sicherlich im höheren dreistelligen Bereich.