Schwierige Präparation eines Acanthoteuthis speciosa

Als ich diesen großen Tintenfisch (Länge 46 cm) angeboten bekam, war ich anfänglich keinesfalls begeistert. Das Teil lag als Spaltfossil vor – leider in einer sehr weichen, schmierigen Fäule. Ich lehnte das Präparationsangebot zunächst ab, obwohl vollständige Exemplare dieser Gattung sehr selten sind. Beim Anblick der beiden Platten (Abb. 1, 2) erinnerte ich mich sofort – als gebranntes Kind sozusagen – an einen unangenehmen Präparationsversuch, bei dem ich erfolglos versuchte, eine Libelle aus einer weichen Fäule „herauszukitzeln“ – keine Chance.

Abb. 1
Abb. 2

Nach reiflicher Überlegung habe ich trotzdem beschlossen, den Tintenfisch zu präparieren – mit einem ziemlich unguten Gefühl im Bauch. Zunächst musste die fragile Trägerplatte ausgewählt werden. Ich entschloss mich für das Teil, das vermutlich die meiste Substanz trug. Zur Verstärkung der Platte klebte ich eine Sperrholzplatte darunter, auch um einen quer durch die Platte laufenden „Stich“ zu fixieren. Anschließend wurde die Platte ergänzt, um sie auf ein „präparationsgerechtes“ Maß schneiden zu können. Nachdem ich das brüchige Fossil mit einer Mischung aus Klarlack und Aceton (1:3) gefestigt hatte, klebte ich den „Tintler“ wasserdicht mit einer Klarsichtfolie ab.

Ein alter Bekannter in meinem Steinbruchbearbeitungsbetrieb ließ mich gewähren und das Objekt „trocken“ schneiden, was schon auf Grund der weichen Splittrigkeit des Materials ein ziemlich gewagtes und schweißtreibendes Unternehmen war. Nach dieser staubigen Prozedur ging es darum, diverse Teile der Gegenplatte zu übertragen. Leider erwies sich dieses Vorhaben als äußerst kompliziert. Nach Einsatz verschiedener Kleber (Sekundenkleber, AKEMI transparent, AKEMI transparent L, AKEMI juragelb etc.) stellte sich heraus, dass keines der angegebenen Klebemittel griff – nichts zu machen. Ich konnte jeweils am nächsten Tag die übertragenen Teile einfach abheben – keine Bindung, warum auch immer... Frust auf der ganzen Linie! Irgendwann hat dann doch ein Plättchen im Fangarmbereich gehalten, Gott sei Dank (Abb. 3, 4 )

Abb. 3
Abb. 4

Die anderen zu übertragenden Teile waren mit Kleber „zugeschmiert“, so dass ich sie zunächst mit dem Skalpell abheben musste und anschließend im Acetonbad auflösen konnte. Später wollte ich die Teile dann übertragen, was sich im Nachhinein als unmöglich erwies. Die Präparation der Fangarme erwies sich als sehr schwierig und langwierig, da sich die Körpersubstanz kaum von der Matrix trennen ließ; alles schien wie festgebacken. Auch der Einsatz von Skalpell und Nadeln war nicht immer hilfreich, zumal die Häkchen der Fangarme ausschließlich als Hohlformen vorlagen – zeitweise ein wirklich alptraumhaftes Unterfangen. An manchen Tagen habe ich die Präparation nach kurzer Zeit abgebrochen, da ich einfach nicht in Form war und zu oft mit zittriger Hand in die Substanz "reingestochen" habe. Gegen Ende der Präparation dachte ich, dass am linken Rand (lange Delle) noch ein Fangarm sitzen müsste. Dies war leider ein Trugschluss, so dass sich jetzt dort ein schmaler Graben präsentiert – leider nicht mehr zu ändern. Abschließend wurde der Tintenfisch - ganz gegen meine Gewohnheit – mit einer sehr dünnen „Lack – Acetonmischung“ fixiert, nachdem die Übertragung der „Negativteilchen“ endgültig gescheitert war. Ehrlich gesagt hatte ich auch „die Nase voll“ und absolut keine Lust mehr, an dem Teil „rumzudoktern“.

Insgesamt war es ein sehr schwieriges Unternehmen, das mich ca. 78 Stunden Präparationszeit gekostet hat. Eigentlich wollte ich mich an derart komplizierte Projekte nicht mehr heranwagen – eigentlich - aber in diesem Fall habe ich mich doch überwunden.

 

 

Abb. 5
Abb. 6

Verwendete Geräte: Binokular (10- bis 20-fache Vergrößerung), Vibrograv, Skalpell, Nadeln, Glasradierer, Trennschleifer, Steinsäge, Hängemotor mit diversen Einsätzen, Sekundenkleber, AKEMI trasnsparent L, AKEMI transparent, AKEMI juragelb, Lack, Aceton

 

Präparationszeit: ca: 78 Stunden

 

Fossil: Acanthoteuthis speciosa, Malm zeta / Tithonium, Eichstätt, 46 cm

 

Bericht, Präparation und Sammlung: Falk Starke